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Petter Olsen – Piotr Choynowski
Projekt 1996
Vorschlag zu einem neuen, der Kunst Edvard Munchs
gewidmeten Museumsgebäude auf dem Gelände der Tullinløkka in Oslo.
Zwischen den schon vorhandenen monumentalen Gebäuden Nationalgalerie
(1882-1924) und dem Historischen Museum (1902)
EDVARD MUNCH UND DER LEBENSFRIES
Der Kunstmaler und Graphiker Edvard Munch (1863 – 1944)
ist der wichtigste Beitrag Norwegens zur Kunstgeschichte der Welt. Er wird
oft als der Schöpfer der modernen, persönlich geprägten Malerei
bezeichnet.
Die zentrale Kuppelhalle der „Edvard Munch Halle"
wird als Ausstellungsareal für Munchs Hauptwerk, die Gemäldeserie „Lebensfries"
vorgeschlagen. Diese Serie umfasst die bekanntesten Gemälde Munchs, unter
anderem den „Schrei", eines der weltweit berühmtesten Motive, und
„Madonna". Anhand von 20-25 Motiven wollte Munch das menschliche
Dasein in die drei Phasen Liebe, Angst und Tod gegliedert, zeigen.
Munch konnte seinen Traum von einem Gebäude, in dem der
ganze „Lebensfries" erlebt werden konnte, nicht verwirklichen. „Die
Leute sollen das Heilige in der Kunst erleben und ihr Haupt entblößen
wie in der Kirche".
Fast alle Gemälde des „Lebensfrieses" sind in
öffentlichem Besitz, jedoch auf zwei Museen in Oslo verteilt. Die
Initiatoren der Edvard Munch Halle sind der Ansicht, dass die Museen durch
eine Zusammenarbeit ein einmaliges, ganzheitliches künstlerisches
Erlebnis schaffen könnten. Daher wird vorgeschlagen, die Gemälde,
gegliedert in die drei von Munch gewünschten Sequenzen, in der runden
Galerie der Kuppelhalle zu zeigen.
Der Vorschlag hat eine lebhafte öffentliche Debatte
ausgelöst. Vorläufig ist jedoch nicht klar, ob eine Zusammenarbeit der
Museen, die im Bezitz der Bilder sind, in Zukunft möglich sein wird.
DAS PROBLEM:
Ein neues Museumsgebäude, das zwischen zwei schon
vorhandenen Museen, die beide eine Erweiterung benötigen, liegen sollte,
war im Zentrum von Oslo schon geplant.
Ein vom Staat ausgeschriebener Wettbewerb wurde 1996 mit
einem modernistischen Projekt gewonnen. Durch Glasbrücken sollten die
Museumsbesucher vom Neubau durch Hintertüren in die vorhandene
Nationalgalerie und das Historischen Museum gelangen.
Der private Vorschlag „Edvard Munch Halle" wurde
1997 als Protest gegen das modernistische Projekt und als konkrete
Alternative vorgelegt. Das Projekt „Edvard Munch Halle" basiert auf
der klassizistischen Tradition.
Die Präsentation der „Edvard Munch Halle" löste
die bisher in Norwegen umfangreichste Architekturdebatte aus. Mehr als 200
Zeitungsartikel wurden gedruckt und das Thema wurde in mehreren
Fersehdebatten behandelt.
In Norwegen wie in anderen Ländern werden Organisationen
der Architekten, Zeitschriften, Ausbildung der Architekten und die Jurys
von Architekturwettbewerben von den Modernisten beherrscht. Wie
vorausgesehen, begegnete die Architektenelite dem Vorschlag mit
Verurteilung und einer arroganten Einstellung. Diesem auf eine praktisch
orientierte Sicht der Architektur basierten Vorschlag wurde von
Nicht-Architekten grosses Interesse entgegengebracht. Politiker und
interessierte Bürger der Stadt verstanden, dass jeder Bürger bei der
Gestaltung des öffentlichen Raums der Stadt mitspracheberechtigt ist.
Eine Meinungsumfrage des Norwegischen Gallup-Instituts
zeigte, dass 65 % derjenigen, die beide Alternativen kannten, die
klassizistische „Edvard Munch Halle" vorziehen. Nur 20 % gefiel das
modernistische Siegerprojekt.
Der alternative Vorschlag respektiert die Architektur der
alten Museumsgebäude. Hier wird statt der Glasbrücken eine unterirdische
Verbindung vorgeschlagen. Die zentral platzierte, monumentale Form wird
dem Platz ein sammelndes Element verleihen.
WARUM KLASSIZISMUS HIER?
Modernistische Architekten versuchen das Einmalige zu
schaffen und wählen Kontraste statt Anpassung. Eine klassische Säule sei
ein Pasticcio und eine Lüge. Eine solche Einstellung zeigt das Fehlen von
Respekt vor früheren Ausübenden des Faches Architektur.
Für die meisten Leute ist dies eine unverständliche
Einstellung in einer Zeit, in der sich der Bedarf an traditioneller
Architektur auf vielerlei Weisen zeigt. Ist nicht eine Säule – neu oder
alt – das schönste Symbol der europäischen Zivilisation?
Für die Initiatoren des Vorschlags war die Wahl nicht
schwer. In der Nähe des Museums finden wir die klassizistischen Gebäude
der Universität Oslo aus dem Jahre 1838. Sie wurden in einem gemeinsamen
Einsatz des norwegischen Architekten Christian Grosch und Karl Friedrich
Schinkel aus Deutschland geschaffen. Die Kuppel wurde gewählt, um den ca.
25 Gemälden von Edvard Munchs Serie „Lebensfries" auf der Galerie
unter der Kuppel einen würdigen Platz zu verschaffen. Diese Halle zum
Andenken an Norwegens größten Kunstmaler hat ihre Inspiration vom
Vorbild aller Gedenkstätten aller Zeiten, dem Pantheon in Rom, erhalten.
Es wäre falsch, durch die Einführung von noch einer
neuen Stilart auf dem Gelände der Tullinløkka Kontraste zu schaffen. Die
existierenden Gebäude sind von Art nouveau und Historismus geprägt. Ein
Gebäude, das nationale Schätze beherbergen soll, muss eine Würde
ausdrücken, die die heutige modernistische Architektur nur selten erzielt.
KARL FRIEDRICH SCHINKEL IN OSLO
Zwischen Karl Friedrich Schinkel und dem Projekt „Edvard
Munch Halle" gibt es eine Verbindung.
Vorbild der „Edvard Munch Halle" sind die
klassizistischen Gebäude der Universität Oslo aus dem Jahre 1838. Sie
wurden vom norwegischen Architekten Christian Grosch entworfen und an
Schinkel in Berlin gesandt für Kommentare und eine weitere Bearbeitung.
Es liegen noch Zeichnungen vor, auf denen Schinkel seine Kommentare und
Vorschläge zu Verbesserungen angeführt hat. Diese Vorschläge wurden im
Großen und Ganzen akzeptiert.
EDVARD MUNCH IN BERLIN
In den 1890er Jahren und die ersten Jahre des 20.
Jahrhunderts wohnte und arbeitete Edvard Munch während langer Perioden in
Berlin. In dieser Zeit entwickelte er viele der Motive, die im „Lebensfries"
enthalten sind, unter anderem den „Schrei". Es wird nun
vorgeschlagen, diese Gemälde in der „Edvard Munch Halle" zu
sammeln. Im Jahre 1892 stellte Munch im Verein Berliner Künstler aus.
Diese Ausstellung wurde auf Grund der Motive und des neue Maßstäbe
setzenden Stils als Skandal bezeichnet. Nach einer Woche musste sie wegen
der starken Reaktionen geschlossen werden. Munch verkehrte in einem Kreis
von Künstlern in Berlin, dem auch August Strindberg angehörte.
In der Neuen Nationalgalerie in Berlin sind zahlreiche
Bilder des für Max Reinhardts Theater in Berlin bestellten „Reinhardt-Frieses"
(1906 – 08) ausgestellt. Dieser Fries ist eine Variation der Motive des
„Lebensfrieses".
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